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SBR und Stolbur erklärt – Teil 5: Bekämpfungsmöglichkeiten der Schilf-Glasflügelzikade

| Überregional

Ein Allheilmittel existiert nicht – Maßnahmen müssen kombiniert werden!

Die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade muss nach dem Baukastensystem erfolgen. Es gibt nicht die eine Bekämpfungsmaßnahme, die hilft. Die Maßnahmen sind als eine Kombination aus der Reduktion der Zikadenpopulation und der Stärkung der Zuckerrübe zu verstehen.

Gesunde Zuckerrüben:

Das Wichtigste ist, die Zuckerrübe gesund zu erhalten und zu stärken. Gesunde Rüben können den Stress durch Krankheiten wie SBR und Stolbur besser aushalten als kranke Rüben. Dazu gehört vor allem auch ein gutes Cercospora-Management.

Sortenwahl:

Es sind SBR-tolerante Sorten am Markt verfügbar. In den drei Befallsgebieten (Maifeld, rechte Rheinseite bei Niederkassel und Grafschaft) kann über den Anbau solcher Sorten nachgedacht werden. Unbedingt notwendig sind sie aktuell noch nicht. Es kann sein, dass durch den Verzicht von Hochleistungssorten, Ertrag verschenkt wird. Da Cercospora momentan noch das größere Problem darstellt, sollten eher (blatt-) gesunde Sorten auf Ihren Feldern stehen. Sprechen Sie dazu gerne mit Ihrer Anbauberatung.

Im südlichen Rheinland ist es auf Grund der sehr geringen Anzahl der Fänge derzeit nicht erforderlich eine SBR-tolerante Sorte anzubauen. Dies kann sich natürlich in Zukunft ändern.

Fruchtfolge:

Die aktuell effektivste Maßnahme ist die Umstellung der Fruchtfolge, konkret bedeutet dies den Verzicht des Anbaus von Rübenweizen bzw. von Wintergetreide nach Zuckerrüben. Dadurch wird den Nymphen über den Winter hinweg die Nahrungsgrundlage entzogen und die Population der Nymphen um bis zu 90 % reduziert. Dies zeigen die sogenannten Modellregionen in Süd- und Ostdeutschland. Hier haben sich die Landwirte dazu bereiterklärt auf den Rübenweizen zu verzichten. Während die Felder außerhalb der Modellregionen ab August eine gelbliche und dann braune Farbe annehmen, bleiben die Felder innerhalb der Modellregion grün und damit gesund. Dadurch konnten 2024 in den Modellregionen deutlich höhere Erträge erzielt werden. Diese Maßnahme ist sicherlich nicht für jeden Betrieb in Gänze umsetzbar und es ist auch nicht möglich in ganz Deutschland auf den Rübenweizen zu verzichten. Es ist trotzdem ratsam individuell zu beurteilen, ob eine Umstellung der Fruchtfolge möglich ist. Durch diese Maßnahme wird die Zikadenpopulation am effektivsten reduziert.

Insektizide:

Im Jahr 2025 standen in Deutschland zum ersten Mal sieben Insektizide durch Notfallzulassungen zur Verfügung – diese durften jedoch erst nach einem amtlichen Warndienstaufruf des zuständigen Pflanzenschutzdienstes angewendet werden. Im Rübenanbaugebiet Könnern wurde dieser Warndienstaufruf für einige Gebiete ausgesprochen. In NRW gab es keinen Warndienstaufruf, in Rheinland-Pfalz durfte nur der Süden behandeln. Darunter fiel nicht das Anbaugebiet Maifeld.

Die Mittel, die hier zur Verfügung stehen, sind Insektizide, die auch für die Bekämpfung von Blattläusen zugelassen sind. Bei Anwendung zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Mittel-Kombination können sie die Zikadenpopulation reduzieren und folglich zur Gesunderhaltung der Rüben beitragen – so die aktuellen Beobachtungen aus Süddeutschland. Es ist dennoch möglich, dass der Einsatz der Insektizide einen größeren Einfluss auf den Rückgang der Nymphenpopulation und somit auf den Befall im Folgejahr hat, als dass akut die Erregerübertragung der Zikaden verhindert wird. Dieser langfristige Erfolg muss jedoch noch untersucht werden. Die gesammelten Daten aus dem Zikaden-Monitoring sind ein Schlüsselbaustein, um diesen Nachweis zu führen.

Weitere ackerbauliche Maßnahmen:

Eine wendende Bodenbearbeitung stört die Nymphen der Zikaden, hier kommt es aber vor allem auf einen frühen Zeitpunkt bzw. noch warme Temperaturen bei der Bearbeitung an. Mit abnehmenden Temperaturen bewegen sich die Nymphen in Bodenschichten von 40-50 cm Tiefe und werden nicht mehr erfasst. 

Bei einer frühen Ernte mit SBR- & Stolbur (stark) infizierten Rüben ist der Zuckergehaltsabfall noch nicht so weit vorangeschritten und Sekundärerreger setzen der Rübe noch nicht so stark zu.

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