
Unkräuter sind Wildpflanzen, die sich im Laufe der Jahre an die wechselnden Bedingungen auf ackerbaulich genutzten Böden angepasst haben. Neben der `Normalverunkrautung` ist ein Trend zu speziellen, in der Regel schwer bekämpfbaren Verunkrautungen (Leitunkräuter) zu beobachten, die mit den bestehenden Herbizidsystemen oft nicht erfasst werden.
Eine frühzeitige Erkennung des Unkrautspektrums ist wesentliche Voraussetzung für dessen wirtschaftliche und umweltschonende Bekämpfung. Wichtig ist deshalb, Mittelkombinationen, Aufwandmengen und Einsatzbedingungen optimal aufeinander abzustimmen, um bei hohem Wirkungsgrad die Rübe nicht zu schädigen. Das Beratungsprogramm „LIZ-Herbizid“ ermittelt dies in Kenntnis der vorhandenen Unkräuter und deren Entwicklungsstadien, der aktuellen Rübenstands- und Witterungsbedingungen sowie der Bodeneigenschaften.
Die herbiziden Wirkstoffe Phenmedipham, Desmedipham und Ethofumesat sind in den meisten Fällen die Basis eines Spritzsystems und werden je nach Auftreten bestimmter Leitunkräuter um weitere Wirkstoffe ergänzt. Hierzu bietet Ihnen „Kraut und Rüben“ grundlegende Informationen.
Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Zuckerrübenanbaus in Norddeutschland e.V. (ARGE Nord) prüft in ihren Versuchen für einige schwerbekämpfbare Unkräuter Spritzfolgen auf ihre Wirksamkeit, um die Strategien der Unkrautbekämpfung im Sinne des Anwenders zukünftig wirksamer und kostengünstig entwickeln zu können.

Für die Bekämpfung von Gräsern steht eine breite Palette von Präparaten zur Verfügung. Bei der Bekämpfung von Hirsearten ist ein Splitting-Verfahren zu empfehlen. Es besteht die Möglichkeit, ab dem Auflaufen der Hirse in den NA-Behandlungen ein Gräserherbizid zu integrieren. Dessen Aufwandmenge kann in diesem Fall bei noch schwach entwickelten Gräsern um ca. 30 % reduziert werden. Auf einen Ölzusatz muss dann aber in der Herbizidmischung verzichtet werden. Ausführliche Informationen zur Ungrasbekämpfung finden sich in „Kraut und Rüben“.
Wichtige Grundsätze für Herbizidapplikationen

Zuckerrüben sind 2-jährige Pflanzen, d.h. Blütenstände und Samen werden erst im 2. Vegetationsjahr gebildet. Bei anhaltend niedrigen Temperaturen (Kältesumme) und hoher Belichtungsintensität im Mai / Juni, erfahren die Pflanzen einen Schossreiz (Vernalisation) und beginnen bereits im 1. Vegetationsjahr mit der Bildung der Samenträger. Diese Schosser (Abbildung) können eine Höhe von bis zu 1,50 m erreichen und sind aus mehreren Gründen unerwünscht:
Schosser müssen rechtzeitig vor der Samenreife (ca. bis Anfang August) aus den Rübenbeständen entfernt werden.
Die Schossneigung von Zuckerrüben ist auch sortenbedingt und wird in den bundesweit koordinierten Zuckerrübensortenversuchen bewertet. Auf der Basis der Ergebnisse sind bei der Sortenwahl weniger schossanfällige Sorten zu bevorzugen.