23.01.2015 Überregional

“Talking Fields“ – Sprechende Felder

Drohnen - friedliche Spione

Im Rahmen der LIZ-Beratertagung am 21.- 22.01.2015 in Berlin ging es u. a. um die Möglichkeiten von Fern- und Naherkundung im Zuckerrübenanbau. 

Bei der Fernerkundung scannen Satelliten gestützte Sensoren täglich die Erdoberfläche. Die Daten im Raster von ca. 10 x 10 m ermöglichen z.B. die Ermittlung jeder Kulturartfläche, der Bestandesdichte, der Blattfläche (Reihenschluss) und des Biomasseaufwuchses. Integriert man diese Daten in Wachstumsmodelle, so ist heute schon eine Ertragsprognose mit einer Genauigkeit von 95 % möglich und zwar mit einer genauen Differenzierung innerhalb der Einzelfläche. Auch Negativeffekte (Bodenunterschiede, Pflanzenausfälle, Krankheiten, Hagelschäden …) lassen sich bzgl. Position, Größe und  Ausprägung ermitteln. Die Felder geben mit Hilfe der Fernerkundung viele Informationen preis, weshalb man auch von “Talking fields“ = “sprechende Felder“ spricht. Diese Informationen lassen sich dann nutzen, um z. B.  je nach Ertragspotenzial teilflächenspezifisch zu säen, zu düngen oder Pflanzenschutzmittel auszubringen.

Bei der Naherkundung sind grundsätzlich dieselben Sensoren zu nutzen und auch dieselben Informationen zu gewinnen. Der Unterschied besteht im Trägersystem. Hier setzt man Drohnen (Multikopter) oder auch Kleinflugzeuge  in einer Höhe von 40 bis 100 m ein. Damit ist es möglich, im Raster von nur 10 x 10 cm Höhenunterschiede von 1 cm zu ermitteln. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass  die Befliegung gezielt erfolgt und nicht routinemäßig wie bei den Satelliten. 

Die Drohnen sind relativ preiswert (200 bis 40.000 €) und einfach zu fliegen (auch flächenautark).  Bereits heute werden sie eingesetzt, um Rehkitze vor der Mahd aufzuspüren, Wildschweine im Mais zu lokalisieren, Hagelschäden zu ermitteln und vieles mehr. Denkbar sind in Zuckerrüben auch die Erfassung von Unkraut-, Schosser- und Fäulnisnestern, Ermittlung von Blattkrankheiten, Position und Volumen (Gewicht) von Feldrandmieten...  Drohnen können aber auch selber Arbeiten erledigen. Sie verteilen bereits heute Eier von Schlupfwespen in Maisbeständen und ziehen Wasserproben. Warum sollten sie in Zukunft nicht auch selbständig Rübenblätter zur Krankheitsbonitur einholen oder Schneckenkorn ausschließlich in Befallsbereichen ausbringen? Sie sind also durchaus friedliche und nützliche Spione, die uns neue Perspektiven ermöglichen.   


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