Rizomania (Viröse Wurzelbärtigkeit)

Rizomania ist eine Viruskrankheit der Zuckerrübe. Das Virus wird durch den Bodenpilz Polymyxa betae übertragen und wirkt schädigend auf Blatt, Rübe und Wurzeln. Unter günstigen Befallsbedingungen können Verluste bei Rübenertrag und Zuckergehalt auftreten, die den Anbau von Zuckerrüben unrentabel machen. Auch die Zuckergewinnung in der Fabrik wird durch die Beeinflussung qualitätsbestimmender Inhaltsstoffe erschwert. Die Verbreitung des Virus erfolgt über Wasser (entlang von Flüssen, Beregnung), Erde und Wind. In Deutschland hat sich Rizomania inzwischen, von Süddeutschland aus beginnend, in fast allen bedeutenden Zuckerrübenanbaugebieten verbreitet. Lediglich in Schleswig-Holstein und den östlichen Bundesländern sind die Zuckerrüben bislang nur wenig oder noch nicht davon betroffen.


Symptome

In der Regel treten die ersten Symptome im Bestand nach Reihenschluss auf. Bei der Ernte zeigen sich die Veränderungen am Rübenkörper.


Foto: Krankheiten und Schäden (LIZ)
  • Nesterweises Welken und Aufhellen der Pflanzen
  • Lange Blattstiele
  • Schmale, kleine, steil hochstehende Blätter
  • Gekräuselte Blattspreite
  • Zitronengelbe Verfärbung der Blattadern und gelbe Flecken

Foto: Krankheiten und Schäden (LIZ)
  • Dichter, dunkler Wurzelbart
  • Verfärbung der Gefäßbündel
  • Nekrosen und Verfärbungen am Wurzelansatz
  • Einschnürung der Rübe im unteren Bereich
  • Seitenwurzeln rechtwinkelig abstehend

Bestimmte Inhaltsstoffe der Zuckerrüben, die bei der Anlieferung der Zuckerrüben in der Zuckerfabrik gemessen werden, geben ebenfalls einen Hinweis auf möglichen Rizomaniabefall:

  • Zuckergehalt: unter 13,5%
  • Amino-N Gehalt: unter 8 mmol/1000g Rübe
  • Natriumgehalt: über 18 mmol/1000g Rübe
Am sichersten ist die Prognose, wenn zwei oder gar alle drei aufgeführten Werte in der dargestellten Weise reagieren.
Dieses gilt ebenso für die Symptome im Feld, die, bis auf die Gelbfleckigkeit der Blattadern, keinen eindeutigen Nachweis liefern. Ein Nachweis ist nur über einen Labortest (ELISA -Test) möglich


Maßnahmen

Rizomania ist weder direkt noch indirekt zu bekämpfen, jedoch stehen seit Jahren rizomaniatolerante Sorten zur Verfügung, die nicht den Virusbefall, aber eine Schädigung der Zuckerrüben sicher verhindern. Bei Anbau unter Nichtbefall erzielen sie inzwischen gleich gute Ergebnisse wie nicht tolerante Sorten. Die oben beschriebenen Symptome und Reaktionen der Inhaltsstoffe bei Befall treten bei den rizomaniatoleranten Sorten nicht auf. Heute ist der Anbau rizomaniatoleranter Sorten weit verbreitet, wegen der vergleichbaren Leistung mit nicht toleranten Sorten auch auf Nichtbefallsflächen.


Züchtung und Ausblick

In der Züchtung gehört die Rizomaniatoleranz inzwischen fast zur Standardeigenschaft einer Sorte. Neben diesen einfachtoleranten Sorten gibt es heute Spezialsorten mit Mehrfachtoleranzen. Die Rizomaniatoleranz ist dabei als Grundeigenschaft kombiniert mit Toleranzen z.B. gegen Rhizoctonia solani oder Nematoden. Ziel ist, diese Spezialsorten züchterisch so weiterzuentwickeln, dass der Ertragsvorteil, den sie bei Befall haben, möglichst auch unter Nichtbefall erreicht wird.


In den letzten Jahren ist bei bestimmten Typen des Rizomania-Virus in den USA und in Spanien eine erhöhte Aggressivität festgestellt worden, die bei den rizomaniatoleranten Sorten zu Resistenzbrüchen führen kann. Sollte sich dieser Zusammenhang bestätigen, wäre in der Züchtung die Verwendung anderer Resistenzquellen als der bisher verwendeten erforderlich.


Weitere Informationen mit entsprechenden Abbildungen finden Sie unter Krankheiten und Schäden/Online-Diagnose.


© LIZ 2009