Nematoden Grundlagen

Weißes Rübenzystenälchen (Heterodera schachtii)


Nematoden-Zysten an Seitenwurzeln

Aussehen und Schadbild
Befallene Rüben erkennt man am zurückgebliebenen Wachstum und am nesterweisen Welken. Die Hauptwurzel wächst nur wenig in die Länge und es werden verstärkt Seitenwurzeln gebildet, die nach und nach verfilzen und einen Wurzelbart bilden. An den Seitenwurzeln sind die bis zu 1 mm großen, zitronenförmigen Zysten sichtbar.

Biologie
Die Eier in den widerstandsfähigen Zysten sind über 10 Jahre lebensfähig. Ab 8 °C verlassen die aus den Eiern entwickelten Larven die Zysten und dringen in die Faserwurzeln ein. Dabei üben Wurzelausscheidungen der Wirtspflanzen einen Schlupfreiz auf die Larven aus.
Nach genügender Nahrungsaufnahme bilden sich geschlechtsreife Tiere. Nach Begattung durch das Männchen verhärten sich die Weibchen und wandeln sich in den Folgewochen zu bräunlichen zitronenförmigen Zysten um. Unter optimalen Bedingungen wird ein Zyklus nach fünf bis sechs Wochen abgeschlossen, so dass zwei bis drei Generationen pro Vegetationsperiode gebildet werden.
Feucht-warme Witterung und der Anbau von Kreuzblütlern (z.B. Raps, Kohl, Spinat, nicht resistenter Ölrettich und Senf) bieten besonders günstige Vermehrungsbedingungen für die Nematoden.

Weitere Informationen unter Krankheiten und Schäden / Online-Diagnose


Bekämpfung
Die Schadensschwelle liegt bei 500 Eiern und Larven je 100 ml Boden. Chemische Bekämpfungsmethoden sind zur Zeit nicht zugelassen. Vorbeugend sollten die Wirtspflanzen (Gänsefuß- und Kreuzblütlerarten) innerhalb der Rotation ausgeschlossen werden. Zuckerrüben sollten möglichst nur jedes 4. Jahr auf dem selben Schlag angebaut werden. Eine Reduktion der Nematoden sollte schwerpunktmäßig mit biologischer Bekämpfung angestrebt werden, d.h. dem Anbau von nematodenresistenten Ölrettich- und Senfsorten. Der Bekämpfungserfolg kann unter optimalen Bedingungen bis zu 90 % betragen, wodurch in den nachfolgenden Rüben deutliche Mehrerträge erreicht werden. Grundvoraussetzung für einen hohen Bekämpfungserfolg ist eine zeitige Saat nach frühräumender Vorfrucht oder besser ein Anbau von Zwischenfrüchten im Rahmen der Flächenstilllegung. Vorteilhaft ist auch ein wiederholter Anbau von Zwischenfrüchten. Siehe auch: LIZ-Zwischenfruchtanbau und LIZ-Leitfaden Zwischenfruchtanbau.

Eine weitere Alternative stellt die Nematodenbekämpfung durch resistente Zuckerrübensorten dar. Deren Anbau ist jedoch erst sinnvoll ab einer Besatzdichte von mindestens 800 Eiern und Larven je 100 ml Boden, da bei geringerem Nematodenbefall die resistenten Sorten einen Minderertrag gegenüber konventionellen Sorten zeigen.

Auch muss bei gleichzeitigem Rizomania-Befall der Ackerfläche auf eine diesbezügliche, zusätzliche Toleranz der nematodenresistenten Sorte geachtet werden.


Stock-und Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci)

Schadbild
Am Kopfteil der Rübe befinden sich kleine, pustelartige Faulstellen. Bald löst sich dort die rissige Oberfläche der Rübe von dem darunterliegenden Gewebe, das dunkelbraun und schwammig weich wird. Es bilden sich schorfartige nekrotische Zonen, die weit in den Rübenkörper hineinreichen können. Der Kopfteil der Rübe geht meist sekundär in Fäulnis über.
Junge Pflanzen zeigen Missbildungen an den Herzblättern und Verdickungen an der Basis der Blattstiele (ähnlich einem Wuchsstoffschaden).

Biologie
Diese Nematodenart bildet keine Zysten wie das Weiße Rübenzystenälchen.
Das Stock-und Stängelälchen dringt im späten Frühjahr im Bereich der oberen Bodenkrume entweder über Spaltöffnungen oder an Verletzungen in das Hypokotyl der Rübe ein. Hierzu ist ein Wasserfilm erforderlich, wie er bevorzugt auf schweren Böden zu finden ist. Bei der anschließenden Saugtätigkeit werden Enzyme freigesetzt, die die Mittellamellen der Zellverbände zerstören. Die Vermehrung ist zunächst sehr stark, nimmt jedoch im Laufe des Sommers ab, um später im September einen erneuten Höhepunkt zu erreichen.

Bekämpfung
Eine direkte Bekämpfung ist beim Stock- und Stängelälchen weder chemisch noch biologisch möglich. Erschwerend kommt das Wirtspflanzenspektrum (z.B. Roggen, Hafer, Kartoffeln, Raps, Zwiebeln, Möhren) hinzu. Als vorbeugende Maßnahme dient die Einhaltung einer mindestens 4-jährigen Rotation, Gerste und Weizen gelten nicht als Wirtspflanzen. Gegebenenfalls ist eine Aufkalkung des Bodens zur Steigerung der Toleranz der Pflanzen sinnvoll.

Weitere Informationen mit entsprechenden Abbildungen finden Sie unter Krankheiten und Schäden / Online-Diagnose.

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