Blattkrankheiten Grundlagen

Die Zuckerrübe kann von zahlreichen Blattkrankheiten befallen werden. Die Höhe des Schadens ist abhängig von:
  • Der Populationsdichte mit der ein Krankheitserreger auftritt
  • Dem Entwicklungsstadium der Zuckerrübe zum Zeitpunkt des ersten Befalls
  • Der Aggressivität des Schadorganismus gegenüber den Rübenpflanzen
  • Der Widerstandsfähigkeit der Pflanze gegenüber dem jeweiligen Krankheitserreger

Bestimmungsmöglichkeiten und weitere Informationen mit entsprechenden Abbildungen finden Sie unter Krankheiten und Schäden.


1. Pilzkrankheiten

Blattkrankheiten haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Durch die pilzlichen Krankheitserreger:

  • Cercospora-Blattflecken (Cercospora beticola),
  • Ramularia- Blattflecken (Ramularia beticola),
  • Echter Mehltau (Erysiphe betae),
  • Rost (Uromyces betae)

können je nach Infektionstermin und –verlauf Verluste bis zu 40 % beim Zuckerertrag entstehen. Diese Verluste können durch geeignete Maßnahmen reduziert oder gar verhindert werden.
Die Behandlungswürdigkeit ist bei den einzelnen pilzlichen Blattkrankheiten unterschiedlich.

Symptome

Die Symptome der einzelnen Pilzkrankheiten sind zum Teil sehr ähnlich.

Tabelle: Beschreibung pilzlicher Blattkrankheiten
Cercospora
(Cercospora beticola)
  • kleine (2-3 mm), rundliche graue Blattflecken mit rot-braunem Rand
  • scharfe Abgrenzung zum gesunden Blattgewebe
  • Absterben ganzer Blattbereiche oder ganzer Blätter
  • sicheres Erkennen durch die dunklen Punkte (Sporenträger) im Innenhof des Blattflecks (im Pilzmyzel)
  • benötigt feuchtwarmes Klima (25 °C)
Ramularia
(Ramularia beticola)
  • größere (5-10 mm), unregelmäßige, hellbraune Flecken mit undeutlichem, braunem Rand
  • Absterben ganzer Blattbereiche oder ganzer Blätter
  • Im Innenhof des Blattflecke keine dunklen Punkte (Sporenträger)
  • benötigt kühl-feuchte Witterung (16 bis 20 °C)
Echter Mehltau
(Erysiphe betae)
  • Blatt teilweise oder ganzflächig auf der Oberseite mit grauweißem, filzigem Belag
  • Hohe Temperaturen, geringe Niederschläge, stark wechselnde Tag- und Nachtunterschiede
Rost
(Uromyces betae)
  • 0,5 - 1 mm große rostbraune einzelne Pusteln auf Blattober- und -unterseite
  • um die Pusteln bildet sich aufgehelltes Gewebe (Hof)
  • höhere Luftfeuchte bei Temperaturen zwischen 10 und 20 °C)

Im frühen Stadium können Cercospora und Ramularia mit der bakteriellen Blattfleckenkrankheit (Pseudomonas) verwechselt werden (siehe 2.: Bakterienkrankheit).

Bekämpfung/ Vorbeugende Maßnahmen

Faktoren, die zu einer stärkeren Anfälligkeit führen:

  • Beregnung
  • enge Fruchtfolge der Zuckerrübe
  • starker Befall der Nachbarrüben im Vorjahr
  • geschwächte Pflanzen (durch Trockenheit, Rizomania, Nährstoffmangel, Strukturschäden)

Die einzelnen Faktoren stellen keine Rangfolge dar, weil sie sich überlagern können und je nach Bedingungen des Jahres unterschiedlich stark auf das Infektionsgeschehen einwirken. Wesentlich ist der Befallsgrad der zuletzt angebauten Zuckerrüben auf der Fläche. Ebenso stellen stark befallene Nachbarschläge im Vorjahr bei nicht wendender Bodenbearbeitung ein hohes Infektionspotential dar.


Bekämpfungsschwellen

In mehrjährigen Versuchsreihen wurden für Deutschland Behandlungsschwellen für Cercospora und Ramularia ermittelt. Diese Schwellen beschreiben den Befallswert in % befallener Blätter, ab dem wirtschaftlich wirksamer Schaden durch die Krankheit hervorgerufen wird. Die Ermittlung dieser Schadschwelle erfolgt über die sogenannte Blattrupfmethode. Aus dem mittleren Teil des Blattapparates wird je ein zufällig ausgewähltes Blatt an 100 zufällig ausgewählten Pflanzen entnommen. Als befallen gilt ein Blatt bereits, wenn nur ein kleines Symptom gefunden wird.

Der optimale Bekämpfungszeitpunkt richtet sich nach folgenden Schadschwellen:
bis 01. August 5 % befallene Blätter
vom 02. bis 07. August
vom 08. bis 15. August
10 % befallene Blätter
15 % befallene Blätter
ab 16. August* 45 % befallene Blätter
*Wartezeiten der Fungizide beachten

Zur Bekämpfung eignen sich die in Zuckerrüben zugelassenen Azole und Strobilurine!
Die zugelassenen Fungizide mit entsprechenden Auflagen und Wartezeiten finden Sie unter Themen/Pflanzenschutz/Pflanzenschutzmittel/Fungizide.

Blattkrankheiten Monitoring

Bei dem Einsatz von Fungiziden ist der richtige Applikationszeitpunkt wichtiger als das eingesetzte Produkt. Um die Befallsentwicklung zeitnah darstellen zu können, wird im LIZ-Gebiet (Mittel- und Norddeutschland) jährlich ein Blattkrankheiten-Monitoring auf ca. 300 Standorten durchgeführt. Dabei werden in wöchentlichem Abstand repräsentative Flächen auf den Befall mit Blattkrankheiten untersucht. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht. Sind die Schwellenwerte auf den Monitoring-Standorten überschritten, sollten die Landwirte ihre eigenen Flächen sorgfältig auf Pilzbefall kontrollieren, und gegebenenfalls eine Fungizidmaßnahme durchführen.

Eine Entscheidungshilfe zum wirtschaftlichen Fungizideinsatz unter definierten Bedingungen bietet Ihnen LIZ-Fungizid.


2. Bakterienkrankheit
Bakterielle Blattfleckenkrankheit (Pseudomonas)

Die Bakterielle Blattfleckenkrankheit (Pseudomonas) tritt nach mechanischen Verletzungen auf. Diese können u.a. durch Starkregen oder Hagel verursacht werden. So kann Pseudomonas schon im Mai noch vor Reihenschluss auftreten und an den kleinen Pflanzen z.T. erheblichen Schaden anrichten.

Symptome

Tabelle: Beschreibung der Bakteriellen Blattfleckenkrankheit
Bakterielle Blattfleckenkrankheit
(Pseudomonas)
  • bei schwachem Befall 2-3 mm große Flecken mit hellbraunem bis grauem Innenhof
  • deutliche Abgrenzung zum gesunden Gewebe durch einen dunkelbraunen bis schwarzen Rand
  • unregelmäßige Form und Größe (Unterschied zu Cercospora und Ramularia)
  • kein Pilzbelag (Unterschied zu Pilzkrankheiten)
  • bei stärkerem Befall Zusammenfließen der Flecken
  • Absterben einzelner Blattbereiche (Lochbildung) bis zum kompletten Verlust einzelner Blätter

Maßnahmen

Pseudomonas kann nicht bekämpft werden. Nach leichtem Befall verwachsen sich die Symptome bei zunehmend trockener Witterung. Bei stärkeren Schäden sollten Maßnahmen zur Schonung bzw. Vitalisierung der Pflanzen durchgeführt werden, z.B. schonende Herbizidmaßnahmen oder Zusatz von Blattdüngern.
Das genaue Bestimmen von Pseudomonas ist wichtig, damit keine Fehldiagnose (Verwechslung mit Pilzkrankheiten) zu unnötigen und somit nicht wirtschaftlichen Fungizidmaßnahmen führt.


3. Viruskrankheit

a) Viröse Vergilbung (Viröse Rübenvergilbung)

In der Zuckerrübenproduktion kann die "Viröse Vergilbung" zu Ertragsverlusten bis zu 50% und 2% geringerem Zuckergehalt führen.

Fördernde Faktoren:

  • Milde Winter, trockenwarmes Frühjahr
  • Günstige Blattlausentwicklung
  • Verzögerte Jugendentwicklung der Zuckerrübe

Die "Virose" selbst kann nicht bekämpft werden, sie wird vor allem durch die Grüne Pfirsichblattlaus und nur selten durch die Schwarze Bohnenlaus übertragen.

Symptome

Tabelle: Beschreibung der Virösen Vergilbung
Viröse Vergilbung
  • nesterweises Vergiben des Rübenbestandes
  • Vergilben der Blätter vom Rand her
  • längeres Grünbleiben der Blattadern
  • Verdicken der Blattspreiten
  • Typisches Knacken der brüchigen Blätter beim Zerbrechen

Maßnahmen

Systemische, in die Pillenhüllmasse eingearbeitete Insektizide leisten mit ihrem Schutz vor der Übertragung des Vergilbungsvirus durch Blattläuse einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung dieser Krankheit. Alternativ müssen separate Insektizidbehandlungen termingerecht durchgeführt werden.

© LIZ 2009