Zuckerrübenernte Grundlagen

Ziel der Zuckerrübenernte:

Das Ziel besteht darin, den gewachsenen Zuckerertrag bis in die Fabrik zu bekommen und damit die höchste Wirtschaftlichkeit zu sichern.
Bereits bei der Festlegung der Rodefolge der Zuckerrübenfelder werden dazu die Weichen gestellt. Neben Befahrbarkeit und Folgefruchtbestellung ist vor allem der zu erwartende Ertragszuwachs einzelner Schläge entscheidend. Schläge mit geringem Zuwachs sind zuerst zu roden (s. LIZ-Rodefolge). Besondere Aufmerksamkeit erfordert die schonende und saubere Ernte der Zuckerrüben, da hier ein erhebliches Verlustpotenzial schlummert.

Bei der Ernte werden die Zuckerrüben zunächst maschinell entblättert und geköpft, anschließend gerodet und mit aufgenommener Erde über mehrere Reinigungsaggregate abgesiebt. Die Rüben werden in einem Bunker gesammelt, zum Feldrand transportiert und dort, zumeist in großen Mieten, bis zum Abtransport in die Zuckerfabrik zwischengelagert.


Anforderungen an die Erntetechnik:

1. Exaktes Trennen des Blattkopfes

Der Rübenkopf enthält neben geringen Saccharosegehalten vermehrt Inhaltstoffe, die die Zuckerausbeute behindern, sogenannte Melassebildner wie Kalium, Natrium und Amino-Stickstoff. Daher ist großer Wert auf eine einwandfreie Köpfarbeit zu legen. Jede Rübenfuhre wird bei Anlieferung in der Zuckerfabrik bezüglich ihres Anteils an Rübenköpfen und Blattresten beurteilt. Unzureichend geköpfte Rüben werden entsprechend des prozentualen Anteils des Rübenkopfes mit Abzügen belastet. Des Weiteren wird auch die mitgelieferte Erde durch Schätzung oder Waschprobe ermittelt und vom Nettogewicht der Fuhre abgezogen.


2. Herausheben des Rübenkörpers aus dem Boden ohne Bruchverlust, mit wenigen Verletzungen und geringem Erdanhang

Abb.: Köpfqualität (LIZ)

Die richtige Einstellung der Erntemaschine entscheidet über deren Köpf- und Rodequalität als auch über die Lagerfähigkeit der Rüben. Werden Mängel wie z.B. Verletzung der Rüben oder zu viel anhaftende Erde rechtzeitig erkannt, lässt sich die Rodequalität oft mit nur wenigen Handgriffen bzw. durch Anpassung der Arbeitsgeschwindigkeit deutlich verbessern. Hierbei bietet das Schema LIZ-Rodequalität eine einfache Beurteilungsgrundlage. Vorausschauendes Handeln bei Rübenernte und Mietenanlage hält Verluste gering und schont den Boden.

Erntetechnik

Die eingesetzte Erntetechnik verfügt über höchsten technologischen Standard und gewährleistet eine zügige Ernte auch unter schwierigeren Bedingungen. Grundsätzlich wird unterschieden in:

1. gezogene oder selbstfahrende Maschinen mit unterschiedlicher Anzahl gleichzeitig geernteter Rübenreihen (1 bis 6-reihig).

Tabelle: Ernteverfahren
Verfahren geerntete Rübenfläche
6-reihige selbstfahrende Köpfroderbunker 85%
Köpfroder und Ladebunker 3%
einreihige Roder 2%
zweireihige Roder 10%


Abb.: Rübenvollernter (LIZ)
Auf mehr als 2/3 der Anbaufläche (regional auch > 90%) werden die Rüben heute durch selbstfahrende 6-reihige Rübenvollernter gerodet. Diese ermöglichen durch hohe Mobilität, Wendigkeit und schnelle Betriebsbereitschaft auch in Gebieten mit kleineren Feldstücken hohe Flächenleistung.

Je nach Ladevolumen des Bunkers sammeln diese 6-reihigen Rübenroder die komplette Erntemenge mindestens einer Feldlänge bis zum Entladen am Feldrand oder die Rüben werden während des Rodens auf ein separates Transportfahrzeug überladen. Das Verfahren des Überladens ist vor allem bei großen Feldlängen vorteilhaft und erhöht die Hektarleistung der Erntemaschine. Es erfordert aber zusätzliche Transporttechnik und Personal.

Tabelle: Maschineneinsatz in unterschiedlichen Regionen
Ernteeinsatz Rübenfläche
Rheinland
Rübenfläche
Norden
Rübenfläche
Osten
Eigennutzung 10 % 5 % 5 %
Rodegemeinschaft 40 % 47 % 30 %
Lohnunternehmer u. Maschinenringe 50 % 48 % 65 %


Abb.: gezogene Erntemaschine (LIZ)
Die hohe Schlagkraft und die Investitionskosten bedingen, dass gerade 6-reihige Rodemaschinen weitgehend überbetrieblich eingesetzt werden. Neben den örtlich etablierten Lohnunternehmern werden diese Maschinen immer häufiger auch durch sich bildende Rodegemeinschaften von den Landwirten selbst angeschafft und betrieben. Die Landwirte sichern sich damit die Einflussnahme auf die Rodelogistik und die Rodekosten. Die überbetriebliche Ernte ermöglicht zudem Flexibilität bei der Einsatzplanung der Erntemaschinen, so dass Boden- und Witterungsverhältnisse soweit wie möglich berücksichtigt werden können. Darüber hinaus verhindern breite Reifen und das spurversetzte Fahren bei neueren Erntemaschinen die Bildung tiefer Spuren.

Kleinere, zweireihige gezogene oder dreireihige selbstfahrende Erntemaschinen kommen heute vor allem in den nord-westlichen Anbaugebieten auf maximal 1/4 der Rübenanbaufläche, vornehmlich zur alleinigen Nutzung im Einzelbetrieb, zum Einsatz.


2. nach Kombination der Ernteschritte in einem oder zwei Arbeitsgängen
    (einphasiges oder absätziges Verfahren)

Beim zweiphasigen bzw. absätzigen Verfahren werden in einem ersten Arbeitsgang die Rüben zunächst geköpft, gerodet und in einem Schwad auf dem Feld abgelegt. Dieser Rübenschwad wird dann im zweiten Schritt mit einem Ladewagen aufgenommen, der die Rüben am Feldrand in eine Miete ablegt.


Die zahlreichen bereits zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten und das Innovationspotenzial der Maschinenhersteller tragen wesentlich dazu bei, die Erntetechnik noch rüben- und bodenschonender zu gestalten.

© LIZ 2009